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Das Hauptgestüt Altefeld und seine Geschichte

Das 1913 von Oberlandstallmeister Burchard v. Oettingen gegründete preußische Hauptgestüt Altefeld befindet sich in Hessen, auf einem Hochplateau am Rande des Werratales. Es liegt in prachtvoller Landschaft auf rund 400 Meter über dem Meeresspiegel, zwischen Eschwege und Eisenach. Schon Kaiser Friedrich Barbarossa soll seine Pferde auf dem Altefeld geweidet und gezüchtet haben und der Ortsname „Pferdsdorf“ lässt vermuten, dass hier schon sehr früh Pferdezucht betrieben wurde.

Dark Ronald xx

Derbysieger Dionys von Herold a.d. Dichterin wurde 1928 in Altefeld gezogen.

Nachdem im Ministerium in Berlin die Planung für das neue Großgestüt genehmigt wurde, begann man 1913 mit dem Ankauf der für das Gestüt vorgesehenen Flächen auf dem Ringgau, die bis dahin alle im Besitz von Landgraf Chlodwig v. Hessen waren. Während des 1. Weltkrieges entstanden die wichtigsten Bauten unter der Oberaufsicht des Schöpfers von Altefeld, Oberlandstallmeister B.v. Oettingen. Altefeld war die erste umfassende Gestütsplanung, die eine komplette Anlage, mit allem was zu einem fortschrittlichen Gestüt gehört, vorsah. Hengststall, Deckhallen, Mutterstutenställe, Laufställe für Jungstuten und Junghengste, Hotel, Gestütsschule, Jugendherberge, Gärtnerei, Försterei, Schmiede, Schäferei und Gutshof wurden auf einer ca. 800 ha großen Fläche zwischen 1913 und 1919 gebaut.

Alchimist - Gemälde von Andrea Imhäuser nach einer Vorlage von O. Merthe

Schon im Februar 1919 kamen die Vollblutstuten aus Graditz und vom Hauptgestüt Beberbeck nach Altefeld. Darunter so klangvolle Namen wie Antwort und Aversion. Danach folgten die Hauptbeschäler DARK-RONALD, HEROLD, ARD PATRICK, und NUAGE. Mit dem Pferdebestand ging auch der staatliche Rennbetrieb, sowie der Rennstall in Berlin-Hoppegarten auf das Altefelder Gestüt über.

Alchimists Vater Herold v. Dark Ronald a.d. Hornisse vor dem Hauptbeschälerstall in Altefeld 1929. Er wird gehalten von Hengstwärter Martin Liehr in der Uniform des Hauptgestüts Altefeld.   Aversion, Mutter von Alchimist, vor dem Hauptstutenstall in Altefeld 1929  


Antwort von Ard Patrick a.d. Alveole in Altefeld  Ard Patrick  


Der erste Altefelder Jahrgang stellte das überragende Dreigestirn Aditi, Marduck und Grossinquisator, dem viele weitere gute Pferde folgten, darunter die überragende Aditja, Antonia, Valladolid, Sichel, Laotse, der Derbysieger Dionys, Viaduct und Lord Nelson. Unter dem letzten in Altefeld gezogene Jahrgang, der in den staatlichen Rennstall kam war kein geringerer als der Derbysieger Alchimist und Arjaman. In der Zeit als preuß. Hauptgestüt wirkten in Altefeld von 1919 bis 1930 die Landstallmeister Graf Kalnein, Graf Sponeck, Hans Althaus und Hermann Großcurth.

Landstallmeister Kurt Graf Sponeck   Landstallmeister Hans Graf Kalnein  


Valladolid siegte 1928 im Falkenhaus-Rennen  Aditja gewann 1928 den Preis der Diana  Antonia gewann 1929 den Preis der Diana vor der Altefelderin Valladilid 


Sichel gewann 1931 den großen Preis von Berlin

Stromschnelle gewann 1930 den Preis der Diana  Sichel gewann den Preis der Diana 


Nach der Aufgabe von Altefeld 1930, verursacht durch wirtschaftlichen Schwierigkeiten der Weimarer Regierung, ruhte der Zuchtbetrieb bis es 1935 Heeresgestüt wurde und Hauptmann Leberecht Opitz mit den Geschicken der Remontehaltung beauftragt wurde .

1940 wurde Altefeld dann zum Heeresvollblutgestüt unter der Leitung von Dr. Josef Pulte. Mit einer großen Mutterstutenherde und den bekannten Deckhengsten Mirza II, Antonym, Bubbles, Brantome und Pharis und einem eigenen Rennstall in Hoppegarten kam Altefeld schnell wieder zu großem Ansehen und beachtlichen Erfolgen auf den deutschen Rennbahnen.

Pharis

Natürlich war mit dem Ende des zweiten Weltkrieges und der Auflösung des Heeres auch das Schicksal des Heeresgestüts Altefeld besiegelt.

Die Gestütsanlage wurde zunächst als Pensionsgestüt verwendet, wo viele Heimatvertriebene Zuflucht fanden. Durch den Verlust der Ostgebiete, durch Aufteilung und Bodenreform waren mehr Vollblutzüchter denn je ohne Grund und Boden. Altefeld beherbergte vorübergehend die aus der Heimat evakuierten Schlenderhaner, wobei der großartige Oleander hier sein Leben beendete. Das Oppenheimische Gestüt züchtete im Gestüt Altefeld das wundervolle Stutenpaar Asterblüte(Derbysiegerin) und Aubergine, die die klassischen Prüfungen ihres Jahrgangs gewannen, und vorher schon Aralia, eine Rennstute überragenden Ranges. Weiterhin baute in Altefeld Adolf Schindling seine Vollblutzucht auf und züchtete hier die Derbysieger Kaliber und Kilometer aus der in Altefeld gezogenen Stute Kirschfliege. Auch das Klassepferd Erlenkind ist der Altefelder Scholle entsprungen und der Derbysieger Birkhahn in dieser Zeit auf Altefeld geboren.

Birkhahn

Arjaman v. Herold a.d. Aditja (1930) gehört zum letzten Altefelder Jahrgang

Während der Zeit als Pensionsgestüt standen in Altefeld die Hengste: Wirbelwind, Monitor und Fol Ami.

1962 wurde Altefeld durch die Ansiedlung des Traditionsgestüts Waldfried zu einem neuen Mittelpunkt der Vollblutzucht. Bei der Übernahme von Altefeld konnte Waldfried bereits auf eine große Vergangenheit zurück blicken und so ging zu dieser Zeit der 2000. Sieger in den blauweißen Farben auf einer deutschen Rennbahn durch das Ziel. Bis zu seiner Auflösung 1981 züchtete Frau Alexandra Scherping mit großem Erfolg Rennpferde auf Altefeld und es seien hier nur die Derbysieger Elviro und der Celler Landbeschäler Agami genannt.

Als 1981 das Gestüt Altefeld von mir erworben wurde, war auf der verwaisten Anlage nahe dem damals noch existierenden „Eisernen Vorhang“ nur noch ein Pferd, der alte und kranke Derbysieger von 1968 ELVIRO. Ich war fasziniert vom Konzept und der Schönheit von Altefeld, das auf einer Hochebene liegt inmitten von herrlichen Laubwäldern. Es war ein ungewöhnliches Experiment, die Pferdezucht genau nach den historischen Vorgaben der preußischen Gestütsverwaltung fortzuführen. Ohne Stress, artgerecht und naturverbunden sollen die Pferde hier aufwachsen und so ist Altefeld nach wie vor ein angesehener Ort deutscher Pferdezucht.

Manfred Graf


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